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Kriminalstatistik 2021: Weniger Fälle - mehr Gewalt gegen Polizeibeamte


Der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Celle und Leiter des zentralen Kriminaldienstes, Polizeioberrat Daniel Dahlke, erläutert die polizeiliche Kriminalstatistik (PKS) 2021. Foto: Peter Müller

CELLE. Die Polizei Celle hat heute die polizeiliche Kriminalstatistik für 2021 vorgestellt. Der stellvertretende Leiter der Polizeiinspektion Celle und Leiter des zentralen Kriminaldienstes, Polizeioberrat Daniel Dahlke, zeigte sich im Rahmen der Präsentation der polizeilichen Kriminalstatistik (PKS) 2021 mit einer hohen Aufklärungsquote von 69,18 Prozent mehr als zufrieden. "Der Niedrigwert der Fallzahlen und die zweithöchste Aufklärungsquote in der jüngsten Geschichte der PI Celle machen deutlich: Menschen im Landkreis Celle leben und arbeiten sicher", so Dahlke.


Im Nachfolgenden wirft die Polizei - nach einführenden Begriffserläuterungen - einen Blick auf einzelne Deliktbereiche:

Kriminalitätsentwicklung


Die Anzahl der registrierten Straftaten hat sich im Bereich der Polizeiinspektion Celle im Jahr 2021 deutlich auf 10.298 Fälle verringert (2020: 11580). Der Rückgang der Fallzahlen erklärt sich insbesondere durch die Einflüsse der Corona-Pandemie.


Kriminalitätsbelastung


Je höher die Häufigkeitszahl, desto mehr Kriminalität wird in einem Bereich registriert. Die Häufigkeitskennzahl in der Polizeiinspektion Celle liegt auf dem Wert von 5741 (2019: 6469) und liegt damit geringfügig niedriger als im Land Niedersachsen gesamt (5899). Die Gefahr, Opfer einer Straftat zu werden, ist somit geringer einzustufen.


Aufklärungsquote


Mit dem historisch zweihöchsten Wert von 69,18 Prozent (2020: 71,11 Prozent) liegt die erreichte Aufklärungsquote in der Polizeiinspektion Celle oberhalb des Landeswertes (64,07 Prozent) und stellt den vierthöchsten Wert in Niedersachsen dar.


Hauptdeliktsgruppen


Der Schwerpunkt der polizeilichen Arbeit liegt im Bereich Diebstahl (25,1 Prozent), Rohheitsdelikte (18,9 Prozent) sowie Vermögens-und Fälschungsdelikte (18,1 Prozent). Fast die Hälfte der registrierten Straftaten haben, wie in den Jahren zuvor, somit ungerechtfertigte Eigentumsverschiebungen zum Inhalt. Hier besteht in der Verteilung keine große Veränderung zu den Vorjahren.


Gewaltkriminalität


Die Fallzahlen im Bereich Gewaltkriminalität (dazu zählen auch Raubdelikte) sind im Vergleich zum Vorjahr (408) auf 354 gesunken. Die Aufklärungsquote ist dabei angestiegen von 82,6 auf 87,29 Prozent. Hier spielt unter anderem auch die Pandemiesituation eine Rolle. Es gab 2021 aufgrund der Beschränkungen weniger Tatgelegenheiten wie Großveranstaltungen bzw. Diskotheken- und Kneipenbesuche, in deren Folge es erfahrungsgemäß eher zu Gewaltdelikten kommen kann.


Straftaten gegen das Leben


Die Anzahl der registrierten Tötungsdelikte (dazu zählen auch Versuchstaten) ist von 17 (2020) auf 12 gesunken. Herausragend waren die Schüsse vor dem Amtsgericht am 03.06.2021, als ein 78 Jahre alter Mann eine 49-jährige Frau und anschließend sich selbst tötete sowie ein versuchtes Tötungsdelikt in der Neustadt am 15.12.2021. Ein 53 Jahre alter Mann hatte versucht, seine Ehefrau zu erschlagen. Sie überlebte schwerverletzt. Die Aufklärungsquote lag bei 100 Prozent. Sämtliche Kaptaldelikte wurden aufgeklärt.


Rohheitsdelikte


Zu diesen zählen Raub, Körperverletzung und Straftaten gegen die persönliche Freiheit. Insgesamt registrierte die Polizei Celle 1943 Rohheitsdelikte (2020: 2523), also deutlich weniger als im Vorjahr. Damit liegt die Zahl nach einem Anstieg in 2019 und 2020 wieder auf einem üblichen Niveau der Vorjahre. Dies hängt u.a. mit Umfangsverfahren zusammen, die sowohl 2019 als auch 2020 in die PKS eingeflossen sind. Allein ein Umfangsverfahren (Körperverletzungsdelikt im medizinischen Bereich) führte zu ca. 400 Körperverletzungsdelikten in der PKS 2020.


Körperverletzungsdelikte


Insgesamt zählte die Polizei Celle 1062 Körperverletzungsdelikte (2020: 1733) und verzeichnete damit einen Rückgang von 38,7 Prozent. Im Jahr 2021 lag die Anzahl der leichten Körperverletzungen bei 809 (2020: 1415) und der gefährlichen/schweren Körperverletzungen bei 253 (2020: 318). Ursache für den Rückgang sind neben den Auswirkungen der Corona-Pandemie auch hier u.a. das zuvor genannte Umfangsverfahren.


Häusliche Gewalt


Die Anzahl der Delikte ist in diesem Bereich weiter leicht gesunken auf 529 Taten (2019: 558). Nach wie vor gibt es ein großes Dunkelfeld in diesem Bereich, da die meisten Taten hinter verschlossenen Türen stattfinden und oft nicht zur Anzeige kommen. Um dem entgegenzutreten, führte das Landeskriminalamt Niedersachsen erneut eine Dunkelfeldstudie durch, bei der ca. 40.000 nach dem Zufallsprinzip ausgewählte Bürgerinnen und Bürger hinsichtlich ihres Sicherheitsempfindens schriftlich befragt werden. Besonderer Schwerpunkt dabei lag bei dem Thema "Häusliche Gewalt". Der Polizei Celle ist ausdrücklich daran gelegen, dass Opfer Mut und Vertrauen fassen und Gewalt im häuslichen Bereich zur Anzeige bringen. Nur so können Betroffene, vor allem Kinder und Jugendliche, gemeinsam mit den Partnerinstitutionen (Staatsanwaltschaft, Stiftung Linerhaus, Justizsozialdienst, Jugendämter, Polizei und Beratungs-und Interventionsstelle Celle) nachhaltig geschützt und beraten werden. "Häusliche Gewalt ist verletzend und strafbar. Opfer häuslicher Gewalt, die sich ohnehin in psychischen Ausnahmesituationen befinden, müssen unkomplizierte und schnelle Hilfe durch die Polizei erfahren", so Daniel Dahlke.


Straßenkriminalität


Der Trend der niedrigen Fallzahlen in der Polizeiinspektion Celle hat sich weiterhin fortgesetzt. Auf den Straßen in Stadt und Landkreis Celle lebt man sicher! Im Vergleich zum Jahr 2020 (1791 Fälle) ist die Anzahl der Taten im öffentlichen Bereich noch weiter gesunken auf 1613 Fälle. Die Aufklärungsquote in diesem Deliktsfeld ist leicht gesunken von 28,2 auf 26,1 Prozent. Straßenkriminalität beinhaltet Straftaten, die sichtbar im öffentlichen Bereich wahrgenommen werden und das Sicherheitsgefühl der Bürger maßgeblich beeinflussen, wie z.B. sexuelle Belästigungen, Raubüberfälle, Körperverletzung, Diebstahl auf Straßen, Wegen oder Plätzen. Der insgesamt deutliche Rückgang der Straßenkriminalität der letzten 10 Jahre wird zurückgeführt auf vermehrte, sichtbare Polizeipräsenz sowohl in der Stadt als auch in der Fläche. Die Prozesse am Oberlandesgericht gehen mit einem wahrnehmbaren, erhöhten Polizeiaufgebot einher. Auch vermehrte Fahrrad- und Verkehrskontrollen im Stadtgebiet führen zu deutlich höherer Wahrnehmbarkeit von Polizei.


Cybercrime


Die Anzahl der Taten, die mittels Internet bzw. IT-Geräten begangen wurden, sind im Jahr 2021 mit 868 Fällen nahezu unverändert hoch geblieben (2020: 865). Mittlerweile finden 8,4 Prozent aller Straftaten im Internet statt. Vor zwei Jahren waren es nur 5,1 Prozent. Dazu Daniel Dahlke: "Straftaten verlagern sich sukzessive in den digitalen Raum und fordert die Polizei im Umgang mit Massendaten." Kinder-und Jugendpornographie Tatmittel ist im Regelfall das Internet. Die Fallzahlen sind zum dritten Mal in Folge deutlich gestiegen, von 44 auf 57 Taten. Der Anstieg der jeweils sehr komplexen Verfahren erklärt sich u.a. durch Erhöhung des Ermittlungsdrucks. Die Vollauswertung der vorhandenen Massendaten in derartigen Ermittlungsverfahren erfordert weiterhin einen hohen zeitlichen und personellen Aufwand. Daniel Dahlke macht dabei deutlich: "Wir kämpfen gegen einen signifikanten Anstieg von Straftaten im Kontext Kinderpornographie. Wir ermitteln so detailliert wie irgendwie möglich, um Täter zur Rechenschaft zu ziehen."


Diebstahlsdelikte


Seit dem Jahr 2012 (5172 Taten) verzeichnet die Polizei Celle insgesamt einen Rückgang von über 50 Prozent. Im Jahr 2021 wurden 2588 Diebstahlsdelikte registriert; ein erneuter Rückgang im Vergleich zum Vorjahr (2020: 2964). Die Aufklärungsquote in diesem Feld liegt, leicht erhöht zum Vorjahr bei 37,11 Prozent (2020: 36,21 Prozent). Entgegen dieses Trends verzeichnete die Polizei Celle eine deutliche Zunahme von Taschendiebstählen in Einkaufszentren und Supermärkten. Um Kunden beim Einkaufen vor Diebstahl zu schützen, wurde mit einem Aktionstag am 03.03.2022 die Präventionskampagne "Dich nehm' ich mir zur Brust" gestartet, durch die potenzielle Geschädigte zu einem wachsameren Verhalten sensibilisiert werden sollen.


Wohnungseinbruchdiebstahl


Der Trend des Rückgangs der Wohnungseinbrüche setzte sich im Jahr 2021 weiter fort. Angezeigt wurden nur noch 111 Fälle (2020: 144), davon 47 Versuchstaten. Dieser signifikante Rückgang bestätigt zum einen die Entwicklung in den zurückliegenden Jahren, ist zum anderen aber auch den veränderten Rahmenbedingungen durch die Corona-Pandemie (Homeoffice, fehlende Urlaubsreisen) geschuldet. Dass immer mehr Einbrüche im Versuchsstadium stecken bleiben ist der erfolgreichen Präventionsarbeit im Bereich Einbruchsschutz zu verdanken. Hier wird auch deutlich, dass technische Sicherungen an Wohneigentum, über die unsere Beauftragte für Kriminalprävention, Cosima Bauer, regelmäßig berät, in Kombination mit der Spezialisierung der Ermittlerinnen und Ermittler, sich langfristig auszahlen. Die Beratungsangebote gelten im Übrigen nicht nur für Privathäuser, sondern auch für Firmen, Geschäftsräume und öffentliche Einrichtungen. Je schwerer dem Einbrecher das Eindringen gemacht wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass er von der Tat absieht! Regelmäßige Schwerpunktkontrollen in Stadt und Landkreis Celle erhöhen zudem das Entdeckungsrisiko, das von potenziellen Tätern wahrgenommen wird. Dazu rät Daniel Dahlke: "Ich bitte die Bürger sorgsam zu bleiben. Sichern Sie weiterhin erfolgreich Ihr Eigentum: Im Großen (Haus und Wohnung) und im Kleinen (Handtasche)!!!"


Diebstahl von Kraftfahrzeugen


Die Anzahl der Fälle wuchs an auf 39 Taten (2020: 25). Dabei sank die Aufklärungsquote auf 43,59 Prozent (2020: 48 Prozent). Erfahrungsgemäß sind häufig reisende Tätergruppierungen aus dem osteuropäischen Ausland am Werk. Im Vergleich zum Vorjahr wurden infolge der pandemischen Lage weniger Ein-und Ausreisekontrollen durchgeführt, was die Rahmenbedingungen für ausländische Kfz-Diebe begünstigt.


Fahrraddiebstahl


Die Anzahl der Taten ist rückläufig von 517 (2020) auf 411. Insgesamt liegt der Wert jedoch auf einem vergleichsweise niedrigen Niveau. Im Jahr 2012 wurden noch mehr als doppelt so viele Fälle verzeichnet. Präventionsmaßnahmen, Fahrradregistrieraktionen und Beratungen zum Thema Sicherungseinrichtungen haben sich positiv ausgewirkt. Die Polizei Celle wird auch künftig regelmäßige Kontrollen von Fahrrädern durchführen und dazu beitragen, dass die Zahl der Diebstähle auf niedrigem Niveau bleibt.


Rauschgiftdelikte


Daniel Dahlke macht auch hier einen Ermittlungsschwerpunkt deutlich: "Die Bekämpfung von Rauschgiftkriminalität wird in der Polizeiinspektion Celle weiterhin konsequent betrieben. Die erfolgreichen Großverfahren der vergangenen Jahre haben den lokalen Markt unter Druck gesetzt. Die hervorragende Zusammenarbeit mit der Staatsanwaltschaft ist in ein Schlüssel für den Erfolg.


Zu verzeichnen ist zwischenzeitlich eine Reduktion der Zahlen von 819 (2020) auf 754 Taten. Dabei sind allgemeine Verstöße, wie z.B. Besitz von Rauschgift (597 Taten; 2020: 583) und Handel, Abgabe, Anbau und Einfuhr (157 Taten; 2020: 236) zu unterscheiden. Mehr Kontrollen haben dazu beigetragen, dass auch mehr Straftaten ans Licht kamen. Der Ermittlungsdruck hat sich deutlich erhöht. Parallel dazu setzt die Polizei Celle auf Drogenprävention durch Aufklärung und Vermittlung von Wissen, in Zusammenarbeit mit externen Stellen wie z.B. Jugendamt, Kreissportbund und Psychosozialer Beratungsstelle, Schulen, Jugendpflegern.


Gewalt gegen Polizeibeamte


Mit 115 Angriffen verzeichnet die Polizei Celle einen besorgniserregenden Höchstwert (2020: 87). Die Gewalt nimmt weiter zu. Im Jahr 2021 wurden 32 Beamt: innen bei Angriffen im Dienst verletzt. Die Mehrzahl der Taten entstanden nach niedrigschwelligen Eingriffssituationen wie z.B. bei Kontrollen von alkoholisierten Personen. "Wir haben eine robuste Polizei, die für den Schutz der Bürgerinnen und Bürger 24/7 unterwegs ist. Gewalt gegen Polizeivollzugsbeamt: innen akzeptieren wir nicht!", so Daniel Dahlke.


Jugenddelinquenz


Nach einem Anstieg in den Jahren 2016 bis 2019 sinken die Zahlen seit 2020 wieder. Verzeichnet wurden 635 Taten (2020: 860). Ursächlich für den signifikanten Rückgang dürften u.a. Schulausfälle und die Reduzierung von Veranstaltungen infolge der Corona-Pandemie sowie Aufklärung im Kontext Cybermobbing und sexueller Gewalt sein.


Im Ergebnis:

- Starker Rückgang der Fallzahlen - Aufklärungsquote mit 69,18 %

auf sehr hohem Niveau - Ermittlungsschwerpunkte Kinderpornografie und Betäubungsmittelhandel - Zunahme der Gewalt gegen Polizeibeamte - Fallzahlen Wohnungseinbruchsdiebstahl im Sinkflug - Rückgang Straßenkriminalität

Fazit von Polizeipräsident Thomas Ring, Polizeidirektion Lüneburg: "Neben der coronabedingt reduzierten Mobilität konnte auch durch die unermüdliche Kriminalitätsbekämpfung sowie die fortlaufende Präventionsarbeit im vergangenen Jahr erneut ein Rückgang der Straftaten in unserer Region erzielt werden. Ich möchte mich hierfür bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der Polizeidirektion Lüneburg bedanken. Trotz der anhaltenden pandemischen Situation und der einhergehenden Belastungen haben sie hierzu entscheidend beigetragen. Es wird auch weiterhin unser Anspruch sein, all unseren Bürgerinnen und Bürgern als kompetenter Ansprechpartner zur Seite zu stehen."


Allgemeine Infos zur polizeilichen Kriminalstatistik: Die PKS ist eine sogenannte Ausgangsstatistik, das heißt, sie erfasst alle der Polizei bekannt gewordenen und endbearbeiteten Straftaten. Nicht erfasst werden Staatsschutzdelikte, Verkehrsdelikte sowie Straftaten, die außerhalb Deutschlands verübt wurden. Die PKS dient der Beobachtung der Kriminalität im Ganzen sowie einzelner Deliktsarten. In diesem Bericht zur Kriminalstatistik werden, wie in den Jahren zuvor, wieder mehrere einzelne und bedeutsame Deliktsbereiche detaillierter aufgezeigt.

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