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„Keine Seligkeit ohne Bücher“ - Neuerscheinung von Arno Schmidt


zwei ausgewiesene Arno Schmidt-Kenner: Jan Philipp Reemtsma und Bernd Rauschenbach Fotos: Peter Müller

CELLE. Gelegentlich erlaubte er sich einen Tagtraum, der kurz das Schreibwerk unterbrach, dann tauchte im Kopfkino ein Mäzen auf, der ihm ein wenig Last von den Schultern nehmen würde. Damit er sich noch intensiver seiner Profession, der Literatur, widmen könnte. Ach, das wäre schön…


Lange werden die kleinen Ausflüge nicht gedauert haben, zu sehr war Arno Schmidt der disziplinierten Arbeit am Schreibtisch, in der Regel 14 Stunden lang, verpflichtet. Dieser Aspekt im Leben des Schriftstellers ist ein Thema im neuen, vor zwei Tagen im Suhrkamp Verlag erschienenen Buch „Es gibt keine Seligkeit ohne Bücher“. Die Arno Schmidt Stiftung hat Essays, Aufsätze und Erzählungen von Arno Schmidt über das Schreiben zusammengetragen und es mit einem Zitat des Literaten betitelt. Autoren, das Handwerk, Lesen, Bibliotheken – alles, was das Ersinnen von Texten in irgendeiner Weise flankiert, war das Kriterium, um aufgenommen zu werden in das neue Werk, aus dem es pünktlich zum Veröffentlichungstermin Kostproben gab.


Der langjährige Geschäftsführer der Bargfelder Stiftung und Rezitator, Bernd Rauschenbach, sowie der Mäzen, der sich am Ende doch noch gefunden hatte, Jan Philipp Reemtsma, lasen in der Halle 19 des Schlosstheaters. „Diese Brüder, die Dichter, machen mit einem, was sie wollen“, lautete eine Zeile im Kontext von Beobachtungen, die der Autor morgens in der Straßenbahn machte, er leitete die Stimmung der Fahrgäste von der am Abend zuvor gelesenen Lektüre ab, ging also davon aus, dass diese großen Einfluss auf die Befindlichkeit der Menschen in ihrem Alltag habe. Bisweilen kontrollierte er sogar, was seine Frau las, weil er einen Zusammenhang vermutete mit ihrem Verhalten.


„Haben Sie nicht etwas zum Übersetzen für mich?“, zitierte Schmidt sich selbst. Immer dann, wenn er Geld brauchte, stellte er seinem Verlag diese Frage. Für ihn war es selbstverständlich, dass ein Mensch, der schreibt, mehrere Sprachen beherrschen muss, folglich sich mit dem Übertragen von Literatur aus anderen Ländern etwas verdienen kann. Stetig arbeitete er an seinem Wortschatz, stellte den Anspruch an sich, dem Durchschnittsbürger in diesem Punkt um ein Vielfaches überlegen zu sein. Arno Schmidt lebte sehr zurückgezogen, hatte während seiner Jahre in Bargfeld wenig Kontakt. Hört man, wie er seinen Beruf dargestellt hat, entfaltet sich eine andere Art der Kommunikation. Die Welt war bei ihm im kleinen Häuschen in Bargfeld zu Gast – die unzähligen Bücher, die er besaß, enthielten das Wissen, die Geschichten, die Weisheiten, die ihn interessierten und die er benötigte, um den Kontext, in dem er seine Stoffe ansiedelte, korrekt abzubilden.


Arno Schmidt war reich an Begabung, Bildung, Wissen, aber arm an finanziellen Mitteln. Und das verschwieg er nicht, wenn er übersetzte, passte er die Qualität dem Honorar an. „Wer wenig zahlt, der kriegt auch wenig“, lautete seine Devise. Er wusste genau, was manche Kollegen durchlitten hatten, um ihre Kunst zu Papier zu bringen. Und so genehmigte sich der große Dichter ab und an ein paar Ausflüge und träumte von seinem Mäzen. Am Badeteich in Bargfeld tauchte er dann wirklich auf, im Jahr 1977, erst 25 Jahre alt. Schmidt zögerte, nahm das Angebot nicht gleich an, erst nach drei Tagen meldete er sich bei Jan Philipp Reemtsma und akzeptierte die Zuwendungen als Stipendium für ein neues Buch. Geschrieben hat er es nicht mehr, es blieb zu wenig Zeit, nur zwei Jahre später starb Arno Schmidt und hinterließ ein großes Werk, in das sich nun „Es gibt keine Seligkeit ohne Bücher“ einreiht.



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