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Hoher Wolfsanteil bei entlaufenen Hambührener Hunden


Sie liefen von Hambühren nach Wietzenbruch, wo dieses Foto entstand Fotos: Michael Schäfer

HAMBÜHREN. Sie ließen sich nicht einfangen, griffen andere #Hunde an und mussten schlussendlich getötet werden, weil eine Gefahr für die Allgemeinheit bestand. Die entlaufenen Hambührener "Wolfshunde" hielten Ende Juli 2022 die Celler #Polizei und hiesige Jäger in Atem (CH berichtete https://www.celleheute.de/post/entlaufene-wolfshybriden-entnommenundangeschossen).


Nun steht fest, dass beide Tiere #Wolfshybride waren. Auf Nachfrage von CELLEHEUTE teilte das Ministerium für Umwelt in Hannover das Ergebnis einer vom #Wolfsbüro des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz veranlassten DNA-Untersuchung mit. Demnach hat das Senckenberg-Institut ermittelt, dass der Rüde einen 75-prozentigen und die Fähe einen 50-prozentigen #Wolfsanteil aufwies. Damit handelt es sich bei dem männlichen Tier um die erste Rückkreuzungsgeneration (F1) zum Wolf, bei dem weiblichen Tier um eine Wolf-Hund-Mischung der 2. Generation (F2) oder einen vergleichbaren länger zurückliegenden #Hybridisierungsgrad (dieses sind nachfolgende Kreuzungen von Hybriden als Eltern mit einem 50-prozentigen Wolfsanteil, z.B. F1-Hybrid x F1-Hybrid). Erst ab der 5. Generation (F5) gelten die Nachkommen als Hund.


UNTER DEM RADAR DER BEHÖRDEN


„Ich weiß nicht, welche Generation sie sind“, sagt die Hambührenerin Alexsandra Funk, der die Tiere entlaufen waren, im CH-Video. Sie hielt „Mexx“ und „Loona“ in einem Gehege auf privatem Gelände. Dieses verstößt gegen das Bundesnaturschutzgesetz sowie gegen EU-Recht, folgt man den Ausführungen des Umweltministeriums. Dessen Pressesprecherin Lotta Cordes verweist auf eine EU-Verordnung (EG 1497/2003), wonach Wolfshybride der ersten bis vierten Generation (F1-F4) demselben Schutzstatus wie #Wölfe unterliegen, und teilt auf CH-Anfrage mit: „Es ist einer Privatperson nicht erlaubt, Hybride der ersten vier Generationen zu halten.“ Das Bundesnaturschutzgesetz verbiete es, besonders geschützte Arten „in Besitz oder Gewahrsam zu nehmen oder zu haben“. Wenn Behörden Kenntnis davon haben, müssten sie dagegen vorgehen.





Der Landkreis Celle hatte diese jedoch nicht, und so tritt der bei diesem Thema eher typische Fall ein, dass vieles laut Kennern der Szene unter dem Radar der Veterinärämter abläuft. Gesetze und Verordnungen anzuwenden ist aus mehreren Gründen schwierig. Die Einhaltung der von der EU aufgestellten Regeln scheitert beispielsweise daran, dass die Nachweise, um welchen Grad von Hybridisierung es sich handelt, wissenschaftlich nur schwer erbracht werden können. So betont etwa das Senckenberg-Institut als nationales Referenzzentrum für genetische Analysen beim Wolf, dass es „ab der zweiten Hybridgeneration in der Regel nicht möglich sei, sicher zwischen einer exakten Hybridgeneration und einer komplexeren Züchtungs- und Hybridisierungsgeschichte zu unterscheiden“.


LUKRATIVER MARKT FÜR #HYBRIDE


Seit zehn bis 15 Jahren hat sich ein Markt für Wolf-Hunde entwickelt, sie werden europaweit gezüchtet und später gehandelt in Internet-Foren und bei Ebay. Viele Menschen sind fasziniert von den Tieren, die oft schöner sind als die wildlebenden Originale. „Es lässt sich gut Geld damit verdienen“, sagt die Hundetrainerin Anna Carolina Hein in der Dokumentation des Bayerischen Rundfunks „Zwischen Wolf und Hund“ (.Zwischen Wolf und Hund - Wie gefährlich sind Wolfshybriden? | DokThema | Doku | BR - YouTube). Sie betreibt eine Auffangstation für Wolf-Hunde in Schleswig-Holstein, die von ihren Haltern abgegeben werden, weil sie sich überfordert fühlen, die Tiere das Mobiliar zu Kleinholz verarbeitet oder sie sich einfach alles ganz anders vorgestellt haben. Tierheime nehmen Wolf-Hunde nicht in jedem Fall auf, sie verfügen in der Regel nicht über den erforderlichen Platz und das Personal, um die nötige Bewegung und den Auslauf zu gewährleisten. Wer keinen neuen Abnehmer oder eine Auffangstation findet, entlässt die Tiere womöglich in die freie Wildbahn. Entlaufen ist für Wolf-Hunde ganz leicht. Selbst geschlossene Fenster stellen für sie keine Hürde dar.

47 Wölfe leben im weitläufigen Lobo Park im spanischen Andalusien und können hier nicht nur von geführten Besuchergruppen beobachtet werden, sondern dienen auch der Verhaltensforschung. Einer der beiden Betreiber ist Daniel Weigend, der den Trend, Wölfe durch Hybridisierung zu Haustieren zu machen, mit Sorge betrachtet. „Ich kenne kein einziges Beispiel, wo ein Hybride auch nur annähernd zu halten wäre wie ein Hund, das geht einfach nicht, es sind halt Wildtiere“, berichtet er in der genannten öffentlich-rechtlichen Doku.





„MEXX“ AUS ZUCHT VON CHRISTIAN BERGE


Einen Eindruck, wie so ein Zusammenleben von Mensch und Wolf-Hund-Mischling aussehen kann, gewährt das häusliche Umfeld des Züchters Christian Berge, überregional bekannt aus der ZDF-Dokumentation „Der mit dem Wolf lebt“, in Buchholz/Aller. Hier wohnt der frühere Anwalt und selbsternannte Wolfsschützer, über den auch die FAZ berichtete, seit Jahren gemeinsam mit einer wechselnden Zahl von Wolf-Hunden, für deren Unterbringung mehrere Gehege nötig sind. Obwohl der 60-Jährige öffentlich verkündet, er habe F2- und F3-Hybriden mit Wolfsanteil bis zu 92 Prozent, teilt die Pressesprecherin des Heidekreises Sandra Michaelis auf CH-Anfrage mit: „Seitens des Landkreises gibt es keine Haltungsbeschränkungen“.


Der entlaufene „Mexx“ stammte aus der Zucht von Berge. „Mexx‘“ Mutter „Bree“ lebt noch heute bei ihm. Sie ist wiederum ein Nachkomme von „Noomi“, deren sterbliche Überreste der Züchter in dem ZDF-37°-Film beisetzt mit den Worten: „Du bist ein Wolfskind. Deine Mutter ist eine Wölfin“. Nach eigenen Angaben hat Christian Berge sie 2007 aus Kanada importiert, was sich mit den Untersuchungsergebnissen eines zweiten privat in Auftrag gegebenen Gutachtens zu den Hambührener Hunden, das CH vorliegt, deckt. Das ForGen-Institut (Forensische Genetik und Rechtsmedizin am Institut für Hämatologie GmbH, Hamburg) schreibt: „Hier wurde die maternale Linie von Wölfen mit dem Timberwolf-typischen Haplotyp B1 nachgewiesen. Entsprechend ist von einem Timberwolf in der mütterlichen Linie auszugehen.“


Gemessen an den Maßstäben der Wolf-Hunde-Szene stand „Mexx“ damit weit oben auf der Skala: Je wölfischer das Tier, desto attraktiver und begehrter und umso größer die Scheu vor dem Menschen, denn diese ist eine natürliche Eigenschaft des Wolfes. Kritische Stimmen sehen ein anderes Risiko: „Gewinner sind allein die Züchter, Verlierer sind die Halter und die Tiere“, sagt Wolfskenner Daniel Weigend, der für ein Ende der Zucht wirbt. Finden sich keine Abnehmer für Wolf-Hund-Mischlinge, besteht die Gefahr, dass sie eingeschläfert werden. Setzen überforderte Halter sie aus, sind sie mit ihrem menschenbezogenen Verhalten eine Bedrohung für den Genpool der Art. „Wolf muss Wolf bleiben“, betont Weigend in der Dokumentation und erläutert: „Solange er Wolf und wild ist, ist er keine Gefahr für Menschen. Wenn wir aber anfangen, Hybride zu akzeptieren, beginnt das Problem.“


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