„Gaffen tötet!“ - Johanniter wollen mit QR-Code Leben retten


Johanniter, Krankenwagen, Gaffen tötet
vl.l: Henning Hamann, Carsten Rohse, Stefan Hauke, Axel Flader / Foto: Johanniter/Frauke Engel

CELLE. Neue Beklebung auf Rettungsfahrzeugen der Johanniter im Landkreis Celle: Gaffer erwischen sich selbst auf frischer Tat – dank einer Idee und daraus entstandenen Aktion der Johanniter-Unfall-Hilfe und einer Werbeagentur. Landrat Axel Flader begutachtete jetzt das neue Design und begrüßt das Engagement.

„Gaffen tötet!“ – die Idee Immer wieder erleben die Rettungskräfte der Johanniter nach eigenen Angaben, dass ihre Arbeit durch Schaulustige behindert werde. Die Verbreitung von Smartphones und die Veröffentlichungsmöglichkeiten in den Sozialen Medien hätten die Problematik noch verschärft. „Das muss sich ändern, denn oft entscheiden schon wenige Minuten über Leben oder Tod“, so Jörg Lüssem, Mitglied des Bundesvorstandes der Johanniter-Unfall-Hilfe.

Die Johanniter greifen die Idee einer Werbeagentur auf und setzen diese in einem Pilot-Projekt um. Ziel sei es, Aufmerksamkeit für das brisante Thema „Gaffen am Unfallort“ zu schaffen und diesem durch eine gezielte Gestaltung ganz neu zu begegnen: Mit dem digitalen Design auf Basis der QR-Code-Technologie, das an Rettungsfahrzeugen oder an der Ausrüstung der Retter angebracht werden kann, sollen Schaulustige, die mit ihrem Smartphone das Geschehen festhalten wollen, davon abgehalten werden. Es löst auf dem Handy der Fotografierenden den automatischen Warnhinweis „Gaffen tötet!“ aus. So soll Gaffern ihre Tat unmittelbar bewusst gemacht und ein Umdenken erreicht werden. Zwei Rettungsfahrzeuge der Johanniter in Celle wurden jetzt mit diesen QR-Codes beklebt. Landrat Axel Flader nahm sie bei einem Termin mit Henning Hamann, dem Rettungswachenleiter Stefan Hauke und seinem Stellvertreter Carsten Rohse in Augenschein. „Ich denke, das ist ein Problem, auf das die Johanniter mit dieser Beklebung Menschen sehr unmittelbar hinweisen. Daher unterstützt der Landkreis Celle dieses Projekt“, sagt Flader.

Gaffen ist kein Kavaliersdelikt: seit dem 1. Januar 2021 gilt laut Paragraf 201a des Strafgesetzbuches, dass das Fotografieren oder Filmen eines Unfalls mit einer Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren belangt werden kann. Von der Idee zur Umsetzung Die Idee wird an 22 Standorten der Johanniter deutschlandweit in einem Pilot-Projekt getestet. Der Standort Celle ist der einzige im Landesverband Niedersachsen/Bremen. Dienststellenleiter des Johanniter-Ortsverbands Celle, Henning Hamann, bekräftigt: „Gaffer stellen im Rettungsdienst ein großes Problem dar. Wir sind dankbar, dass mit dieser Aktion die Thematik aufgegriffen wird und sie dadurch eine hohe Aufmerksamkeit erzielt.“

Die Johanniter testen die Verwendung des aufmerksamkeitsstarken Designs auf Fahrzeugen und Ausrüstung in ihren Rettungsdiensten, wollen Erfahrungen sammeln, wie effektvoll das Pilot-Projekt ist und wie es in die Breite getragen werden könne, auch über die eigene Organisation hinaus. Bildunterschrift:


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