Ehrenamtspreis für Celler Bürgerstiftung, Gerald Höhl zum Ersten Kreisrat gewählt


Vorstand Celler Bürgerstiftung Landrat Flader
Fotos: Peter Müller

CELLE. Gerald Höhl folgt Michael Cordioli als Nummer 2 an der Spitze der Landkreisverwaltung. Der Kreistag wählte in seiner gestrigen Sitzung den Juristen und bisherigen Umweltdezernenten - abgesehen von einer Enthaltung - einstimmig zum Ersten Kreisrat. Der Landrat hat für diese Position das Vorschlagsrecht. Cordioli geht im Juli in den Ruhestand, dann übernimmt Höhl, der bereits seit 1999 im Dienst des Landkreises steht.


Der mit 2000 Euro dotierte Ehrenamtspreis des Landkreises ging an die Celler Bürgerstiftung, ihr Vorsitzender Axel Lohöfener nahm die Urkunde und den Scheck von Landrat Axel Flader entgegen.

Dieser hielt die nachfolgende Rede:


„Sehr geehrter Herr Lohöfener, sehr geehrter Mitglieder der Bürgerstiftung Celle, sehr geehrte Kreistagsabgeordnete, sehr geehrte Vertreter der Presse, meine sehr geehrten Damen und Herren, ich begrüße Sie alle hier in der Sporthalle in Altenhagen zu diesem besonderen Anlass, der Verleihung des Ehrenamtspreises des Landkreises Celle. Meine Damen, meine Herren, was wäre unsere Gesellschaft ohne das Ehrenamt, oder genauer, wie wäre unsere Gesellschaft ohne Ehrenamt: Auf jeden Fall ein deutliches Stück ärmer. Gesellschaft braucht Menschen, die Ihre freie Zeit in den Dienst der Gemeinschaft stellen.


„Tun Sie gelegentlich etwas, womit Sie weniger oder gar nichts verdienen. Es zahlt sich aus.“, empfahl der Schauspieler Oliver Hassenkamp einst den Deutschen, schöner kann man es wohl nicht formulieren. Das Ehrenamt ist eine Säule unserer Gesellschaft und diese Tradition reicht bereits zurück bis in die griechische Antike. Schon in den damaligen Stadtgesellschaften war es Sache jedes männlichen Bürgers, sich für das Gemeinwesen zu interessieren, für dessen Wohl zu engagieren und in den Versammlungen über die Belange der Stadt zu diskutieren. „Wer an den Dingen der Stadt keinen Anteil nimmt, ist kein stiller, sondern ein schlechter Bürger“, soll der Athener Perikles in der zweiten Hälfte des 5. Jahrhunderts vor Christus formuliert haben. Sie, lieber Herr Lohöfener, liebe Mitglieder der Bürgerstiftung, Sie nehmen Anteil an den Dingen Ihrer Stadt und dem gesamten Landkreis Celle und ihre Arbeit zahlt sich aus. Ich denke, auch für Sie, vor allem aber für unsere Gesellschaft.


Verzeihen Sie mir, wenn ich hier nur eine kurze Skizze Ihrer Arbeit gebe, aber wir haben nach dieser Ehrung ja auch noch eine Kreistagssitzung und keiner möchte erst in den späten Abendstunden nach Hause gehen. In erster Linie fördert die Bürgerstiftung Celle Bildung, Kunst und Kultur, aber auch Denkmalschutz, Landschaftsschutz und Umweltschutz, Völkerverständigung und das friedliche Zusammenleben aller im demokratischen Gemeinwesen, Wissenschaft und Forschung in Einrichtungen der Region Celle. Vorrang haben Projekte für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene, für alte Menschen und solche Projekte, die junge und ältere Menschen zusammenführen. Die Bürgerstiftung führt eigene Projekte durch und fördert Projekte Dritter, die den Zielen der Stiftung entsprechen. So hat die Stiftung den Verein Mentor – Die Leselernhelfer Celle e. V. maßgeblich nach einem Vorbild aus Hannover am 25. September 2007 gegründet. Er versteht sich als Initiative von Freiwilligen zur Förderung der Lese[1]und Sprachkompetenz von Kindern zwischen acht und sechzehn Jahren. Die ehrenamtlichen Mentoren arbeiten mit aufgeschlossenen und förderbedürftigen Kindern aus allen Schultypen, wobei der Schwerpunkt auf Grund- und Oberschulen liegt. Seit Beginn der Theatersaison 2015/2016 gibt es auf Initiative der Bürgerstiftung Celle und des Senioren- und Pflegestützpunktes Celle das Projekt „Kultur im Duo“. Es richtet sich an Menschen, die gern am kulturellen Leben teilnehmen möchten, sich aber scheuen, am Abend in der dunklen Jahreszeit und vor allem allein ins Theater zu gehen. Balu und Du“ ist ein bundesweites Mentoren­Programm. Es fördert Grundschulkinder im außerschulischen Bereich. Die „Balus“ sind junge Erwachsene, die ehrenamtlich mindestens ein Jahr lang eine individuelle Patenschaft für ein Grundschulkind übernehmen. Das Programm in Celle hat die Bürgerstiftung im Jahr 2017 initiiert. Erwähnt werden muss natürlich auch der Celler Bürgerbrunch, bei dem auf dem Großen Plan und dem Robert-Meyer-Platz bis zu 180 Tische aufgestellt werden.


Die Bürgerstiftung Celle sorgt für ein attraktives, kurzweiliges, kunterbuntes Rahmenprogramm mit Theater, Musik, Tanz und Kleinkunst. Und das alles für den Guten Zweck, ebenso wie der Celler Bürgerbasar, der nicht nur deswegen voll im Trend liegt, sondern auch wegen des Themas Nachhaltigkeit, das im Zuge von Umwelt- und Klimadiskussion immer stärker in den Fokus rückt. Beide Veranstaltungen mussten in den vergangenen Jahren wegen der Corona-Situation ausfallen, aber ich bin mir sicher, dass Sie dadurch an Attraktivität nichts verlieren. Überhaupt hat Corona viele Projekte der Bürgerstiftung auf Halde gelegt, doch so langsam nimmt das Leben wieder Fahrt auf. So gibt es seit dem 7. Februar wieder das Senioren Erzählcafé. An jedem ersten Montag im Monat von 15 bis 17 Uhr treffen sich die Teilnehmer im Mehrgenerationenhaus in Celle. Bei Kaffee und Kuchen erzählen sie sich unter einem bestimmten Thema aus ihrem Leben. Das Erzählcafé ist kein geschlossener Kreis. Jeder kann dazukommen, ohne Voranmeldung. Schon seit 2009 gibt es diese Einrichtung. Noch ein letztes Projekt lassen Sie mich erwähnen: Inzwischen gibt es fünf Bücherboxen der Bürgerstiftung Celle, an denen sich Cellerinnen und Celler mit Lesestoff versorgen können, den andere bereits ausgelesen haben. Meine Damen, meine Herren, lieber Herr Lohöfener, ich könnte noch weitermachen, aber ich glaube, Ihre Bandbreite ist deutlich geworden. „Gemeinsam viel Bewegen“, das ist das Leitmotiv der Bürgerstiftung Celle und wie die vorab berichteten ausgewählten Beispiel zeigen, leben Sie dieses Motto. Die Auszeichnung, die der Landkreis heute vergibt, heißt nach der offiziellen Bezeichnung. „Preis des Landkreises Celle für besondere und herausragende Verdienste um das Gemeinwohl in den Bereichen Kultur, Umwelt oder soziales Engagement“ Nach alle dem, was ich Ihnen bisher beschrieben habe, kann ich mir kaum einen besseren Preisträger vorstellen, der die von mir zitierten Kriterien erfüllt. Es ist mir daher eine besondere Freude, Ihnen diesen Preis zu überreichen. Wie Sie ja wissen, ist mit der Auszeichnung nicht nur eine ideelle, sondern auch eine finanzielle Anerkennung Ihrer Arbeit verbunden. Ich bin mir sicher, dass die 2000 Euro bei Ihnen gut angelegt sind, sei es als Stiftungskapital, sei es für ein besonderes Projekt. Das Ziel des Landkreises ist es auch, herausragendes Engagement zu ehren, um das Bewusstsein dafür zu schaffen, dass ehrenamtliche Arbeit ein unverzichtbarer Teil unserer Gesellschaft ist, damit wir die Lebensqualität haben, die wir alle so schätzen. Die Bürgerstiftung ist ein sehr gutes Beispiel dafür. Ich wünsche der Bürgerstiftung, dass Sie Ihre erfolgreiche Arbeit in den kommenden Jahren fortsetzen kann und komme nun zur eigentlichen Verleihung. Ich möchte die Urkunde zunächst im Originalwortlaut verlesen, bevor ich sie Ihnen überreiche. Anschließend erhalten Sie noch den damit verbundenen Scheck.“



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