"Bitte einsteigen" - Celler Straßenbahn hat eine "Haltestelle"

Aktualisiert: 23. Apr.


Straßenbahn, Haltestelle
Foto: Peter Müller


CELLE. "Vielleicht wäre heute ein Wunsch des ehemaligen Celler Keksfabrikanten und evangelischen Unternehmers Harry Trüller wahr geworden?", fragt sich Peer-Detlev Schladebusch. Er weckte die Celler Straßenbahn zu neuem Leben und führt dort Interviews. Seit heute hat diese auch eine Überdachung, bzw. zumindest das Gerüst dafür. "So könnte sie dann, gegen Regen geschützt, noch einmal 100 Jahre weiterbestehen", hofft der "Talk-Master." Bereits vor 88 Jahren gestorben war Trüller immer begeistert von allen Formen der Mobilität: Zu Lande, zu Wasser und in der Luft. Er war es, der den Cellern quasi durch einen Trick über 50 Jahre zu einer eigenen Straßenbahnlinie verholfen hatte - CELLEHEUTE berichtete mehrfach. Der technikbegeisterte und innovative Unternehmer Harry Trüller kaufte sich in Berlin einen ausgedienten Straßenbahnwagen und stellte ihn in seinen Garten. Als Bausenator der Stadt Celle führte er bei einem guten Frühstück bereits vor rund 117 Jahren viele erfolgreiche Gespräche in seiner Straßenbahn. Er überzeugte dabei neben dem Rat der Stadt auch die Geschäftsleute und Handwerker, dass Celle eine Straßenbahnlinie benötigt. Sie zeichneten die Aktien, so dass die Celler Straßenbahn AG (CSC) 1907 ihren Betrieb aufnehmen konnte. Ein paar Meter vom alten Standort steht im ehemaligen Garten von Trüllers Chauffeur Eickmann seit 2019 wieder so ein Exemplar vom Hersteller Orenstein und Koppel. Es wurde 1924 in Berlin gebaut und ähnelt optisch verblüffend den Wagen der Celler Straßenbahn. Das ist kein Zufall. Schladebusch fand den Triebwagen nach langer Suche im Straßenbahn-Museum in Sehnde-Wehmingen und holte ihn auf einem Tiefbettlader nach Celle. Er führt die Tradition nun in neuer Form fort. „Harry Trüller war nicht nur ein außergewöhnlicher Unternehmer, sondern auch ein Marketing- und Maschinenbau-Genie. Weltweit bewarb er seine Backwaren und exportierte in ferne Länder. Er schuf binnen kürzester Zeit eines der bedeutendsten Unternehmen in dieser Branche. Heute wäre er ganz vorn in der Online-Vermarktung und würde seine Celler Mitbürger daran teilhaben lassen. Erfindungsreich und technikbegeistert war er stets für die besten Ideen zu Lande, zu Wasser und in der Luft zu haben", so der umtriebige Celle. Und sie steht heute dort, wo Harry Trüller sie vielleicht damals schon viel lieber gehabt hätte: Direkt neben seinem Chauffeurhaus, das Architekt Otto Haesler entworfen hat. Da hätte er dann damals mit eigenem Gleisanschluss über die ehemalige Marienstraße direkt in die Innenstadt fahren können. „Aber so egoistisch war er nicht“, sagt Schladebusch. Und so soll die alte Straßenbahn demnächst auch für nachbarschaftliche Begegnungen dienen und natürlich weiterhin für die Aufzeichnungen des Talkformats: SCHRAMME-derTALK. Und vielleicht finden sich auch noch Unterstützer, dass „die Elektrische“ demnächst sogar Strom produziert, wenn ein Solardach oben drauf kommt. Wenn es wärmer wird, soll es ans Restaurieren der alten Straßenbahn gehen. Dazu werden noch fleißige Helfer gesucht und Sponsoren für die elektrische Versorgung", hofft der "Straßenbahn-Nachfolger". 25 Folgen sind bereits auf YouTube zu sehen und weitere sollen folgen. Um das zu gwährleisten, hofft Schladebusch auf Unterstützer für weitere Restaurierungsarbeiten wie Schleifen und Lackieren. Interessenten können sich per E-Mail melden.


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