"Barfuß" - Das Wort zum Montag, Folge 112



In diesen Tagen eröffnen langsam wieder die Freibäder. Ich muss gestehen: Ich war nie ein Fan von Freibädern. Ich mochte die Natur schon immer mehr. Als ehemaliger DDR-Bürger hat es mir da vor allem die Ostsee angetan. Da gibt es schöne weite Strände. Mit ganz weichem Sand. Ein paar Muscheln. Angespülte Algen. Ein bisschen Geäst. Manchmal verirrt sich da sogar eine Qualle an den Strand.


Ich erinnere mich aber auch an die abertausend Steine. Um zum Wasser zu kommen muss ich da immer drüber laufen. Mit Schuhen geht das ja noch. Aber barfuß – echt eine Herausforderung! Richtig unbequem und schmerzhaft. Aber notwendig, um zum Wasser zu kommen. Und ich gehe gern ins Wasser.


Dieses Bild erinnert mich an eine Frage, die ich immer bei mir trage: Wie verhalte ich mich, wenn der Weg zu meinem Ziel plötzlich steinig wird. Gebe ich auf? Zwing ich mich? Rede ich mir falsche Dinge ein, damit ich nicht das Unbequeme aushalten muss? Scheue ich?

Was mach ich, wenn die Steuererklärung auf mich wartet? Die schwierige Aussprache mit den Eltern, der besten Freundin, dem Arbeitskollegen ansteht? Die Berge auf dem Schreibtisch so groß werden, dass sie mich fast erschlagen? Wenn die Befürchtung meinen Atem stockt, dass das Arbeitsprojekt zu groß für mich ist? Wenn die eigentlich richtige Entscheidung schmerzt, im Alter das Auto lieber abzugeben, als selbst weiter damit zu fahren?

Ich weiß nicht: Was sind Eure steinigen Wege?


Was mach ich also, wenn ich Hilfe brauche bei all den steinigen Wegen, die mein Herz gefangen nehmen?


Menschen vor uns hatten darauf ein Antwort. Ein Psalmbeter spricht: „Ich hebe meinen Augen auf zu den Bergen, woher kommt mir Hilfe? Meine Hilfe kommt von Gott, der Himmel und Erde gemacht hat.“ (Ps 121,1.2) Historisch gesehen ist das der Blick eines Menschen, der vor einer langen Reise steht. Damals auf dem Gebiet, das heute weitestgehend Israel ist, da wählte man in der Regel die kürzesten Wege übers Gebirge. Man ging zumeist zu Fuß und wollte nicht länger als nötig unterwegs sein. Aber es waren auch die gefährlichsten Wege: es lauerten Räuber, wilde Tiere, enge Wege und große Schluchten. Damals konnten die steinigen Wege tatsächlich das Leben bedrohen.


Wenn ich das bedenke und dieses Wort im Herzen trage und darauf vertraue, dann weiß ich: Gott nimmt zwar die Steine nicht einfach weg. Gott ist aber auf allen steinigen Wegen dabei. Er schenkt den Mut, den Weg zu gehen. Mit allen Herausforderungen. Allen Befürchtungen. Allen Ängsten. Allen Schmerzen.

Den Weg muss ich selbst gehen. Aber ich bin dabei niemals allein. Es fühlt sich einfach gut an, das zu glauben und zu sehen. Dann kann ich sogar barfuß über Steine laufen, um zu meinem Ziel zu gelangen.


Ich wünsche Euch, dass Ihr Gottes Begleitung und Hilfe bei all den steinigen Wegen sehen könnt, die in eurem Leben auf euch warten – heute, morgen und in aller Zukunft, die kommt.

Bleibt behütet! Pastor Titus Eichler, St. Cyriacus Kirche Celle

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