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„Assistenzhund willkommen“ – Celle ist Assistenzhund-freundliche Kommune


Manja Myrrhe-Kohlenbrenner, Dr. Jörg Nigge, Dr. Hannah Reuter, Karolin Bartels Fotos: Peter Müller

CELLE. Ari liegt auf dem Boden der Eingangshalle im Neuen Rathaus, er wirkt ruhig und gelassen, sein Blick ist treu wie der der meisten Hunde. Aber im Unterschied zu diesen ist Ari berufstätig, trägt seine genaue Bezeichnung sogar auf dem Körper – Kardio-#Assistenzhund ist am Geschirr des zweieinhalbjährigen Labradors zu lesen. Dass dem freundlichen Tier der Zutritt verwehrt wird, wenn er mit seinem Frauchen einkaufen geht, sie zum Arzt oder in den Urlaub begleitet, ist schwer vorstellbar. Aber es kommt häufig vor, Konflikte beim Einlass sind für Menschen mit Handicap, das man ihnen nicht ansieht, und die einen Assistenzhund mit sich führen, Realität trotz eines vor rund zwei Jahren erlassenen Gesetzes.


AUFKLÄRUNG IST UNERLÄSSLICH

„Dessen Faustregel lautet: ‚Assistenzhunde müssen – auch bei generellem Hundeverbot – überall dort eingelassen werden, wo Menschen in Straßenkleidung Zutritt haben‘“, berichtet Dr. Hannah Reuter der gemeinnützigen Organisation „#Pfotenpiloten“. Zusammen mit ihren beiden Kolleginnen Manja Myrrhe-Kohlenbrenner und Karolin Bartels ist sie zu Gast bei Oberbürgermeister Dr. Jörg Nigge, der Celle heute zur assistenzhundfreundlichen Kommune erklärt hat. „Diese Probleme waren mir überhaupt nicht bewusst“, sagt der Verwaltungschef und spricht damit etwas aus, was sicher auf einen großen Teil der Einwohner seiner Stadt zutrifft. „Wir sind dankbar, dass Sie diese Initiative gestartet haben“, erwidert der Oberbürgermeister den Dank von Dr. Hannah Reuter. Sie bereist die gesamte Bundesrepublik, um Aufklärung zu betreiben, das im Rahmen der Behindertengleichstellung erlassene Gesetz bekannt zu machen sowie Kommunen zu überzeugen, den gleichen Schritt wie Celle zu gehen. Konkret bedeutet dieser, dass die Zugänge aller öffentlichen Gebäude der Stadt mit einem Aufkleber „Assistenzhund willkommen“ versehen werden. Sollten einzelne für Hunde verboten sein, wird ergänzt „ausgenommen sind Assistenzhunde“.


Sehr eindrücklich schildern und stellen die drei Frauen in Spielszenen dar, zu welchen Situationen es als Mensch mit Einschränkung, der oder die einen Assistenzhund mit sich führt, kommen kann: Hotels werden für ausgebucht erklärt, sobald klar wird, dass ein Vierbeiner unverzichtbarer Begleiter ist. Museen und selbst medizinische Einrichtungen verweigern den Zutritt, Begründungen lauten beispielsweise: „Frau Doktor mag keine Hunde, sind Sie denn überhaupt behindert? Man sieht Ihnen ja gar nichts an“, oder „Behinderte gehen in der Regel nicht ins Museum, die sind gar nicht unsere Zielgruppe, Kinder könnten in unseren Räumen Angst bekommen vor Ihrem Tier“.


AUFWENDIGE UND KOSTSPIELIGE AUSBILDUNG

Eine, der man ihr Handicap nicht ansieht, ist Karolin Bartels, sie trägt einen implantierten Defibrillator, eine zu geringe Zufuhr von Kalium und Magnesium kann zu Kammerflimmern führen. Oft hat sie ihr Assistenzhund Ari vor einer Krise bewahrt: „Er kann den Notfallknopf zu Hause drücken, durch Bellen aufmerksam machen und an die regelmäßige Einnahme der Medikamente erinnern“, berichtet die Beedenbostelerin. Selbst während der Pressekonferenz schlägt er an. Ihr Geruch verändert sich bei Magnesium- oder Kaliummangel.


Seine Ausbildung dauerte mehr als zwei Jahre, war aufwendig und kostspielig, lediglich Blindenhunde gehören zum Spektrum der Krankenkassen. Nur einer von vier Hunden ist überhaupt geeignet zu assistieren. „Die Tiere müssen gesund sein, Spaß an der Arbeit haben und Talent mitbringen“, erläutert Manja Myrrhe-Kohlenbrenner, die an einer seltenen Herz-Kreislauf-Erkrankung leidet und die Aufklärungskampagne unterstützt. „Wer sich für einen Assistenzhund entscheidet, sollte vorher alle anderen Möglichkeiten auf mehr Teilhabe ausgeschöpft haben“, betont sie. Denn es geht auch ums Tierwohl, die tierischen Begleiter benötigen mindestens zwei Stunden am Tag Freizeitgestaltung, Spielen, Toben, sich auspowern, dafür muss Zeit sein. Manja Myrrhe-Kohlenbrenner erklärt, dass Assistenzhunde nicht zu verwechseln seien mit Begleit- oder Therapiehunden. Diese arbeiten mit den Therapeuten, Assistenzhunde seien tierische Hilfsmittel, speziell ausgebildet und einheitlich geprüft. Sie sind ein stetiger Begleiter des gehandicapten Menschen.

In Celles öffentlichen Gebäuden haben beide nun überall Zutritt. „Wir wollen Vorbild für die Stadt Celle sein“, betont der Oberbürgermeister. Wer dem Beispiel des Neuen Rathauses folgen möchte, erhält weitere Informationen und ein Bestellformular für den Aufkleber „Assistenzhunde willkommen“ unter Stiftung Assistenzhund gGmbH www.PfotenPiloten.org.



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