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Adieu Karstadt – Celler Warenhaus-Ära ging heute zu Ende


CELLE. Angesichts leerer Regale und Vitrinen war erstaunlich viel los am heutigen Morgen im einzigen Kaufhaus der Stadt. Rund anderthalb Stunden hatten die Celler Zeit, um Abschied zu nehmen von ihrem Karstadt-Haus, bevor sich die Tür für immer schloss.


Noch einmal durch den Glaseingang gehen, dort, wo die Kunden früher ein Warensortiment erwartete - Düfte, Taschen, Hüte, Schals und vieles mehr. Marlies Toboll laufen Tränen übers Gesicht: „17 Jahre Damenkonfektion, Modenschauen in der Union“, erzählt sie über ihre Zeit als Mitarbeiterin in den 50er/60er Jahren. „So liebe nette Kollegen, das hat Spaß gemacht.“ Sie ist traurig und ärgerlich darüber, dass nun endgültig Schluss ist.


„Wenn man etwas brauchte, dann ging man hier rein, hier bekam man alles“, sagt eine andere Dame, die noch einmal, ein letztes Mal, Warenhausluft in Celle schnuppern möchte. Ute Müller lächelt, ihre Gedanken sind zurückgewandert in die 60er Jahre, als der „Neubau eröffnet wurde“: „Wir kamen als Kinder hierher, nur um Rolltreppe zu fahren, immer hoch und runter, das war herrlich, sowas gab es doch sonst nirgends hier in Celle.“


Wenige kleine Produkte gehen dann doch noch über den Tisch an der Kasse im hinteren Bereich. „Komisch“, sagt eine Mitarbeiterin, die zum Kassen-Team gehört, auf die Frage, wie es sich anfühle, den letzten Tag an dieser Stelle, in diesem Haus zu arbeiten. Sie ist seit 25 dabei und hat sich intensiv auseinandergesetzt mit der Situation, dass die Filiale des Galeria-Kaufhof-Karstadt-Konzerns in diesem Sommer endgültig schließt. Aber die gedankliche Vorbereitung hat wenig genützt, der Moment überwältigt sie nun doch. „Ich war so gerne hier“, sagt sie. „Wir waren eine Karstadt-Familie.“ Noch hat sie keinen neuen Job, aber etwas in Aussicht, sie ist zuversichtlich. „Für mich schließt sich eine Tür und eine neue wird aufgehen, aber die älteren Leute, für die ist es viel schlimmer.“ Fuad Samoui hat noch hier und da etwas zu tun, packt ein, räumt ein wenig. „Ich habe mich hier sehr wohl gefühlt, es war sehr entspannt“, berichtet der 20-Jährige, der eine Ausbildung absolviert. Er hat bereits eine neue Stelle gefunden, bei Marstall wenige Meter weiter in der Altstadt wird er seine Lehre fortsetzen. Seine Worte stimmen überein mit denen zahlreicher Interviewpartner.


Egal ob junge oder ältere Mitarbeiter, alle berichten unabhängig voneinander von einem sehr großen Zusammenhalt, einer sehr guten Arbeitsatmosphäre und echtem Teamgeist.

Es ist ein stetes Kommen und Gehen an diesem Morgen, Umtriebigkeit wie eh und je – unter anderen Vorzeichen. Kaum jemand sucht gezielt nach Waren, viele gehen durch die Räumlichkeiten, schauen noch einmal, machen Fotos mit dem Handy. Einige stehen einfach still da. Julia Fekete gehört nicht zu denen, die allein und für sich Abschied nehmen und ihre Gefühle in diesen Momenten mit „wehmütig“ umschreiben. Sie hat sich eigens für den Anlass einen Hosenanzug der Hausmarke Yorn angezogen und ihre Karstadt-Kunden-Karte in die Hut-Krempe gesteckt. „Seit 53 Jahren bin ich hier Kundin, habe alles bekommen, was ich wollte und brauchte, von A bis Z“, berichtet sie mit Nachdruck. „Und Karstadt war doch noch viel mehr, hier traf man sich mit Freunden, und hier traf man auf entgegenkommende Mitarbeiter, die halfen, wenn ich für meine Schulklassen etwas benötigte oder wenn es um Praktika ging.“ Während die Geschäftsführung ganz langsam und freundlich beginnt, die Kunden zum Verlassen aufzufordern, trifft Julia Fekete auf das ältere Ehepaar Kühling.



Lange haben beide einfach nur dagestanden, geschaut, innerlich Abschied genommen. Vielleicht Erlebtes in diesem Haus, das für viele Celler eine feste Größe war, Revue passieren lassen. Nicht ganz auf 100 Jahre hat es das Warenhaus in Celle gebracht, im Jahr 1929 begann es, heute ging die Ära Karstadt nach 94 Jahren zu Ende.



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